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Liebe Gemeindeglieder!

Vieles muss im Alltag sofort und schnellstmöglich erledigt werden. Wir Menschen befürchten ständig, in Verzug zu geraten.
Die Mutter sagt zum Sohn: „Mach bitte deine Hausaufgaben. Nein draußen mit deinen Freunden spielen kannst du später noch! Sofort…“ Der Chef ruft auf der Arbeit: „Diese Sache duldet keinen Aufschub!“ Der Gast sagt zur Wirtin: „Die Rechnung bitte. Wir haben es eilig!“ Und auch ich erwische mich, wie ich in der Verwaltung anrufe: „Können Sie das bitte noch schnellstmöglich erledigen…“
Wir Deutschen sind für unsere Pünktlichkeit bekannt. Doch was würde eigentlich passieren, wenn wir das „sofort“ einmal aus unserem Wortschatz streichen würden? Wäre das Chaos wirklich so groß?
Vielleicht würde ein kleiner Junge einen lustigen Nachmittag mit seinen Kumpels in der Sonne spielen. Vielleicht würde der Chef zu einer Pause gezwungen werden und könnte die Bluthochdrucktabletten bei Seite legen. Vielleicht würde der Gast noch ein paar nette Worte mit den Leuten am Nachbartisch wechseln. Und vielleicht würde ich der Dame am Ende der Leitung erst einmal von Herzen einen guten Morgen wünschen, ehe ich Forderungen stelle. Ganz ehrlich – das klingt doch alles gar nicht mal so schlecht…

Augenblick mal! Sieben Wochen ohne Sofort! Lautet die Fastenaktion der Evangelischen Kirche im Jahr 2017. Die Aktion „7 Wochen ohne“ möchte uns eine Kur der Entschleunigung anbieten. Zeit mal durchzuatmen. Zeit, den Menschen im anderen zu sehen, der in der Schlange im Supermarkt vor einem steht, auch wenn man es eilig hat. Zeit, wenn etwas schiefgeht, nicht gleich loszupoltern, sondern noch mal durchzuatmen. Statt den Zeigefinger auszufahren, lieber die ganze Hand auszustrecken, zuzuhören und zu vergeben. Und: Nicht sofort aufzugeben. Wenn es mal nicht mehr weitergeht, eine Pause zu machen, eine Tasse Tee zu trinken, nachzudenken: Zeit, den Dingen und sich selber eine zweite Chance zu geben.

Dieses Innehalten hat uns Gott ganz am Anfang in unsere Zeitrechnung geschrieben: Den siebten Tag segnete der Schöpfer – und ruhte. Dazu sind auch wir jede Woche am Sonntag im Gottesdienst eingeladen: Gottes Zeit feiern – bevor es wieder Alltag, wieder hektisch wird. Mal nicht funktionieren, nicht Maschine sein, sondern Mensch. In diesem Sinne, machen sie mal eine Pause. Sofort!

Es grüßt Sie herzlich, Ihre Pfarrerin Lisa Heußner