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Liebe Gemeindeglieder!

Gemälde in der Johanniskirche in Markt Taschendorf


„Ich brauch mal eine Leiter – ich will mal in den Himmel
steigen!“ Dieser Satz unserer kleinen Tochter hat mich
beim ersten Mal ehrlich gesagt richtig erschrocken,
denn Elena wollte ihren verstorbenen Opa dort
besuchen. Sie wollte mal gucken, ob es ihm dort gut
gehe. Mir tat es weh, ihr zu erklären, dass das nicht
möglich sei, weil es keine so hohe Leiter gäbe!

Doch Elena gibt seitdem nicht auf. Jedes Mal wenn
über unserem Dorf wieder ein Hubschrauber kreist, zeigt ihr kleiner Finger
nach oben: „Schau – mit dem kommt man in den Himmel!“ Jeder bunte
Heißluftballon hoch in den Wolken wird mit großen Augen bestaunt. Jeder
Kondensstreifen eines Flugzeuges, der sich in der Abendsonne am Horizont
abzeichnet, ist für sie ein großes Wunder. In den Bergen sahen wir kürzlich im
Urlaub gemeinsam Paraglidern zu, die sich juchzend vom Gipfel stürzten.
Elena quietschte ebenfalls vor Vergnügen – hätte sich am Liebsten, den
großen Schirm um ihre kleinen Schultern gehängt.

Bei jedem Spaziergang geht der Blick von uns Erwachsenen nach vorne oder
auf den Weg – damit ja nichts passiert, wie bei Hans-guck-in-die-Luft! Der
Blick von Kindern geht sorglos nach oben – immer auf der Suche nach einem
Schmetterling oder anderen schönen Dingen. Kinder sind frei von Angst. Sie
bewahren sich nicht nur den Traum vom Fliegen. Sie glauben auch noch
daran, dass eine Leiter in den Himmel den Blick frei gibt und einen wissen
lässt, alles wird gut! Was für eine himmlische Vorstellung wäre es doch, wir
Erwachsenen könnten uns etwas davon bewahren.

Vielleicht müssen wir aber manchmal auch einfach unsere Blickrichtung
verändern – nach oben sehen. In unserer Johanniskirche in Markt
Taschendorf fiel mein Blick kürzlich mitten im Gottesdienst auf unser schönes
Wandgemälde: „Jacob und die Himmelsleiter.“ Ich musste schmunzeln, denn
Elena hatte Recht gehabt. Es gab sie doch! Leitern, die in den Himmel ragten
und Erwachsene, die noch Träume hatten.

Eine himmlische Zeit wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Lisa Heußner!