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Liebe Gemeindeglieder!


Als kleines Kind fiel meine Wunschliste an Weihnachten noch verhältnismäßig bescheiden aus. Ein Stoffpferd, Baumkugeln, Knete. Ich wartete und hatte am Ende Hochachtung vor dem Christkind, welches mir all diese Wünsche erfüllte. Als ich älter wurde wünschte ich mir einen Hund und ahnte, dass es kein Christkind im klassischen Sinn gab, dass mir diesen Wunsch erfüllen würde. Meine Hochachtung bekam in der Wartezeit Risse.

Doch ich war stoisch und wartete weiter, denn ich war der festen Überzeugung, dass mein Leben mit Hund sehr viel einfacher wäre. Dann kam ich in die Pubertät und ich bekam tatsächlich einen Hund. Mein Wunsch wurde erfüllt. Der Hund machte mein Leben zwar eindeutig besser, doch es wurde nicht gerade einfacher.

Die Wunschliste war nun auch alles andere als bescheiden: Kleidung, einen Laptop, Bücher… Ich wartete wieder auf Weihnachten und dachte nun mein Leben würde einfacher, wenn ich älter würde, denn dann könnte ich mir all die schönen Dinge kaufen. Meine Wünsche wurden erfüllt, auch wenn ich warten musste.

Nun bin ich erwachsen und kann mir Kleidung, einen Laptop und Bücher kaufen, aber einfacher geworden ist mein Leben nicht, denn ich warte weiter aufs Christkind und meine Wunschliste ist länger denn je. Kaufen kann ich mir davon allerdings gar nichts.

Ich wünsche mir Frieden im Jemen. Und unterm Tannenbaum. Ich wünsche mir Lebkuchen auf dem Weihnachtsmarkt. Ich wünsche mir Brot für die Welt. Ich wünsche mir melancholische Märchen und einen der alle Tränen trocknet. Ich wünsche mir, dass ein Freund gesund wird und ein Heilmittel gegen alle Krankheiten. Ich wünsche mir unendlich viel…

Doch lohnt sich ein Wunschzettel? Wenn Gott mich fragen würde, was er der Welt dieses Jahr an Weihnachten schenken soll, was würde ich mir wünschen?

Ich bete meinen Wunschzettel auch in diesem Jahr ab und weiß, dass ich warten muss – meine Hochachtung ist heute eher eine vage Hoffnung. Doch vielleicht habe ich das beste Geschenk vor über 2000 Jahren schon längst zu Weihnachten bekommen.

Frohe Weihnachten und eine angenehme Wartezeit bis dahin wünscht Ihnen,

Ihre Pfarrerin Lisa Heußner!